Der unweit von Biberach gelegene Federsee gilt in Europa als ein einzigartiger Siedlungsort der Jungsteinzeit. Er wird seit Ende des 19. Jahrhdts. erforscht, in den 1920er und 1930er Jahren wurde hier die moderne Siedlungsarchäologie begründet. Der Federsee selbst ist ein Restgewässer der letzten Eiszeit. Seit der Steinzeit nahmen die dort siedelnden Kulturen über Jahrtausende Einfluss auf die kulturräumliche Ausprägung dieses Naturraumes. Das Areal ist mittlerweile als Europareservat geschützt. Das nahegelegene Federseemuseum, 1968 nach Plänen des Architekten Manfred Lehmbruck erbaut, ist ein archäologisches Freilichtmuseum, dessen Schwerpunkt im Bereich der vorrömischen Besiedlung an den Seeufern des nordalpinen Raums liegt.
Aufgabe im Entwurf im Studio 2 war es, einen kulturellen Ort zu entwerfen, der Raum bietet für eine lebendige Begegnung mit der Natur und der Kultur des Federsee-Gebietes. Wesentlicher Teil der Aufgabe war es, eigene Vorschläge für ein sinnvolles Konzept von Information und kulturellem Erlebnis zu erarbeiten.
Der Entwurf für eine Bibliothek am Rand des Schilfgürtels ist ein Ort der Information und der Kontemplation. In dem kreisrunden Bau kann man sich über die Welt der Pflanzen und Tiere informieren, er bietet aber auch die Möglichkeit des Rückzuges inmitten der Natur. Die sehr präzise Setzung des klaren, einfachen Baukörpers im Schilf lässt ganz unterschiedliche räumliche Beziehungen zwischen Innenraum und Aussenraum entstehen: offene und geschlossene, solche mit Weitsicht und solche mit Blick direkt in den Schilfwald. Grösse, Form und Konstruktion sind sehr stimmig aus der Grundidee und den Bedingungen des Ortes entwickelt. Der Ausdruck des Gebäudes ist klar und elegant.



